SACRED: HUMAN, ANIMAL AND PLANT
NYABA LÉON OUEDRAOGO
AUSSTELLUNG
DI 10 NOV
18:00 MISS READ SPACE
Vernissage & Künstler*innengespräch
Nyaba L. Ouedraogos fotografisches Werk untersucht das Heilige als lebendigen Raum, der von kulturellen, ökologischen und spirituellen Spannungen geprägt ist. In der Serie THE SACRED: HUMAN, ANIMAL AND PLANT erkundet er, wie Menschen, Tiere und Pflanzen in Lebensräumen zusammenleben, in denen überlieferte Praktiken eng mit der Gegenwart verbunden bleiben. Der heilige Krokodilteich von Bazoulé wird dabei zum Ausgangspunkt, um das fragile Gleichgewicht zwischen kulturellem Erbe und ökologischem Wandel zu befragen.
Organische Formen, Texturen, die an Haut oder Erde erinnern, und Bewegungen, die dem Imaginären entspringen, sind keine bloßen ästhetischen Entscheidungen. Sie offenbaren eine vielschichtige Beziehung zu einem Ort, an dem kulturelle Rituale, spirituelle Überzeugungen und natürliche Ökosysteme einander weiterhin tragen. Das heilige Krokodil, eine überlieferte Schutzfigur, wird zum symbolischen Gradmesser für die Gesundheit der Natur. Es erinnert daran, dass das Heilige nur fortbestehen kann, wenn die Umwelt, die es trägt, intakt bleibt.
In Burkina Faso gehören heilige Teiche zu den letzten funktionierenden traditionellen Ökosystemen. Klimatische Veränderungen wie sinkende Wasserstände und der Verlust von Lebensräumen bedrohen nicht nur die Krokodilbestände, sondern auch die symbolischen Strukturen, die Gemeinschaften zusammenhalten. Das Heilige wird so zu einem Raum, in dem sich Fragen des Naturschutzes mit Fragen der Identität kreuzen. Den Teich zu bewahren heißt, sowohl ein Ökosystem als auch eine Welt von Bedeutungen zu schützen. Darin zeigt sich ein Paradox des Anthropozäns: Überliefertes Wissen, das die Umwelt lange geschützt hat, muss sich heute Störungen stellen, die weit außerhalb lokaler Einflussmöglichkeiten liegen.
In einer Welt, in der menschliches Handeln natürliche Kreisläufe verändert, steht das Krokodil für Verletzlichkeit. Sein Überleben hängt von der Wasserqualität, der Stabilität der Böden und der Verfügbarkeit von Ressourcen ab, Bedingungen, die der Klimawandel zunehmend untergräbt.
Die Menschen in den Bildern verkörpern Gemeinschaft, Kontinuität und ökologische Verantwortung. Ihre Beziehung zu den Krokodilen und zur Pflanzenwelt drückt ein Weltbild aus, in dem der Mensch nicht außerhalb der Natur steht. Die Pflanzen verweisen auf die Zerbrechlichkeit von Wachstumszyklen und auf die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs mit der Umwelt. Das Krokodil schließlich macht allein durch seine Gegenwart sichtbar, wie weit die ökologische Zerstörung fortgeschritten ist.
Ouedraogo dokumentiert nicht nur Rituale oder Landschaften. Die Gesten, die er festhält, werden zu Akten stillen Widerstands. Sie legen nahe, dass das Heilige andere Formen des Umgangs mit dem Lebendigen eröffnet, Formen, die auf Verantwortung, Gegenseitigkeit und Kontinuität beruhen.
Mit THE SACRED: HUMAN, ANIMAL AND PLANT lädt er dazu ein, traditionelle Ökosysteme nicht als nostalgische Überbleibsel zu betrachten, sondern als Grundlage für neue Arten, die Erde zu bewohnen. Seine Fotografie wird zu einem Raum der kritischen Reflexion über unsere Rolle in der lebendigen Welt und über die dringende Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit ihr, der den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist.
Weitere Öffnungszeiten:
MI 10+DO 12 NOV, 18.00–22.00
FR 13+SA 14 NOV, 16.00–22.00
SO 15 NOV, 16.00–20.00
