RUMBA RULES, NEW GENEALOGIES

MI  17 NOV
20.30 HUMBOLDT FORUM
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von Sammy Baloji, David N. Bernatchez
DR Kongo, Kanada, Belgien, Frankreich | 2020 | 108 min | OmE
Deutschlandpremiere
in Anwesenheit von David N. Bernatchez

Die nächtlichen Rumba-Parties in der kongolesischen Metropole Kinshasa mögen improvisiert wirken, aber hinter den Kulissen steckt harte Arbeit. „Rumba Rules, New Genealogies“ porträtiert das Schaffen des aus mehr als 30 Musiker*innen bestehenden Brigade Sarbati Orchestra. Wenn es seinen kongolesischen Rumba auf die Bühne bringt, entwickelt die Melange aus kubanischen Rhythmen, lokalem Gesang und Tanz einen leidenschaftlichen Sog, dem sich niemand entziehen kann.
Die Dokumentation bietet einen unterhaltsamen und ungeschminkten Einblick hinter die Kulissen der Musikszene von Kinshasa, mit improvisierten Aufnahmen, die das Publikum bei Jam-Sessions und beim Streben nach Perfektion bei der Studioarbeit in den Bann ziehen. Der Film folgt einigen der Künstler*innen, erzählt von ihrem Leben im Kongo und der jahrelangen musikalischen Ausbildung, die die Grundlage für den Erfolg des Orchesters bildet und die verbindendende Kraft der Rumba-Musik erlebbar macht, die durch Kreativität und rohe Energie entsteht.
Mit „Rumba Rules, New Genealogies“ ist den Filmemachern Sammy Baloji, David N. Bernatchez und dem kurz vor den Dreharbeiten verstorbenen Kiripi Katembo Siku ein eindrücklicher, polyphoner filmischer Essay über die Rumba-Szene gelungen, der zugleich ein mitreißendes Porträt der Metropole Kinshasa geworden ist.

Sammy Baloji studierte Humanwissenschaft an der Universität von Lubumbashi und arbeitet als bildender Künstler, Filmemacher und Fotograf. Er ist Mitbegründer von Les Rencontres Picha, einem alle zwei Jahre stattfindenden Foto- und Videofestival in Lubumbashi. Seit 2005 beschäftigt er sich mit der Erinnerung und Geschichte der DR Kongo, seine Videos und Fotoserien zeigen, wie Identitäten geformt, transformiert, pervertiert und neu erfunden werden. Als Bildender Künstler war er u.a. Gast der Biennale von Lyon, Biennale von Venedig (2015), Biennale von Dakar (2016), documenta 14 (2017). Seine Werke wurden u.a. in der Tate Modern in London und im Smithsonian National Museum of African Art in Washington DC ausgestellt. Filmographie: Kasala: The Slaughterhouse of Dreams or the First Human, Bende’s Error (2020), Tales of the Copper Crosses Garden : Episode 1 (2018), The Tower (2017), Pungulume (2016), Bare-faced (2011), Mémoire (2007).

David Nadeau-Bernatchez ist ein Quebecer Künstler und Wissenschaftler. Als Anthropologe und Filmemacher befasst er sich seit 2004 mit der kongolesischen Musikszene. Ob sie sich auf Musik (Rumba Rules (2020)), Sport (Temps temps (2009)) oder im weiteren Sinne auf Geschichte und Erinnerung konzentrieren (z.B. Ludovica (2018), Joseph Samuel Jacques Julien (2015), Solo Kinshasa (2013)), Bernatchez‘ Filme hinterfragen soziale und narrative Strukturen. Seine Bilder, Performances und Vorträge wurden in verschiedenen Kontexten und Ländern präsentiert. Die Auseinandersetzung mit den Dynamiken von Verwurzelung und Entwurzelung stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Kiripi Katembo Siku, geboren in Goma, arbeitete nach seinem Kunststudium als Produzent, Fotograf und Maler und realisierte als solcher zahlreiche Ausstellungen in der DR Kongo. Seine Werke wurden international ausgestellt, darunter auf der Biennale von Venedig, der Berlinale und den Rencontres de Bamako. Zudem wirkte er an mehreren Filmen mit, u.a. an ATALAKU von Dieudo Hamadi. Er starb 2015 im Alter von nur 36 Jahren an Malaria.