MIGRATION & DIASPORA – AFRICA IN VR

Foyer im Humboldt Forum
10.11. – 13.11., jeweils 10 – 20 Uhr
Eintritt frei

 

AFRIKAMERA 2022: Urban Africa, Urban Movies – Migration & Diaspora ist Teil eines über einen Zeitraum von vier Jahren konzipierten Festivalschwerpunkts zum aktuellen urbanen Kino aus Afrika.

Flucht und Migration gehören zu den beherrschenden Themen der Gegenwart. Den politischen und künstlerischen Diskurs dominieren dabei europäische Sichtweisen, während afrikanische Perspektiven weitestgehend ausgeblendet bleiben.

Die Frage nach der „kulturellen Identität“, die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen dem „Eigenen“ und dem „Fremden“ wird nicht mehr nur aus der Perspektive der Einwandernden, sondern gleichsam aus der der aus der Diaspora zum afrikanischen Kontinent Zurückkehrenden bzw. aus der Sicht von sowohl im globalen Süden wie auch im globalen Norden lebenden Filmemacher*innen behandelt und so neu austariert. Viele Produktionen richten den Blick nicht nur auf die Migrationsbewegungen von Europa nach Afrika und zurück, sondern auch auf innerafrikanische Wanderungsbewegungen.

Begleitend zum Programm von AFRIKAMERA werden vier 360°-Produktionen präsentiert, die sich auf sehr unterschiedliche künstlerische Art und Weise mit Themen von Migration & Diaspora auseinandersetzen.

Kuration: Florian Wachinger

 

LE LAC

von Nyasha Kadandara
Kenia 2019, Dokumentation, englische OV, ca. 9 min

Der in der Grenzregion zwischen Nigeria, Kamerun, Niger und dem Tschad gelegene Tschad-See ist einer der weltweit größten Binnengewässer und zugleich eines der gefährdetsten Biotope auf dem afrikanischen Kontinent. Zum einen sinkt der Wasserspiegel des Sees, bedingt durch den Klimawandel, beständig, zum anderen wird die Region durch politische Unruhen und den Terror der Islamistengruppe Boko Haram erschüttert, 2,7 Millionen Menschen sind rund um den Tschadsee auf der Flucht und leben als Binnenfüchtlinge in Camps des UNHCR.
Die 360°-Produktion LE LAC der nigerianischen Filemacherin Nyasha Kadandara ermöglicht Einblicke in den Alltag von Mahamat, einem einst wohlhabenden Viehzüchter, der seine Heimat aus Furcht vor dem Terror von Boko Haram verlassen musste und Nassuri, einem zum Fischer gewordenen Binnenflüchtling, der mit seiner Familie in einem der Flüchtlingslager lebt. Mit verstörend schönen Bildern schärft LE LAC den Blick auf die Verletzlichkeit von Mensch und Natur.

NYASHA KADANDARA ist eine preisgekrönte panafrikanische Regisseurin und Filmemacherin. Sie ist Absolventin der Columbia Journalism School. Ihr erster Film Through the Fire über einen Drogenabhängigen, der sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellt, wurde 2015 beim Atlanta Docufest mit dem Audience Choice Award ausgezeichnet. Ihr Kurzdokumentarfilm Queens & Knights“ über ein queeres und inklusives Rugbyteam gewann 2016 den ersten Preis beim NBC Sports Filmwettbewerb Cptr’d und wurde bei South by SouthWest uraufgeführt. 2019 schrieb, filmte und produzierte sie Sex and the Sugar Daddy, eine umfassende Multimedia-Reportage über transnationale Sexualbeziehungen in Kenia, die bei den One World Media Awards in den Kategorien „Popular Feature“ und „Digital Media“ in die Endrunde kam. Ihre letzte Produktion, der investigative Dokumentarfilm Imported for my Body über den kontinentübergreifenden Sexhandel wurde für die Amnesty Media Awards 2020 in die engere Wahl gezogen und für das Human Rights Watch Festival in Kenia ausgewählt. Derzeit entwickelt sie ihren ersten unabhängigen Dokumentarfilm Matabeleland und einen narrativen Spielfilm Come Sunrise, We Shall Rule.

 

AFROROUTES

von Sélim Harbi
Production: INVR.SPACE GmbH
Executive Producer: Sönke Kirchhof
Postproduction Supervisor: Jessica Zippel
Prototype Tunisia: Med Arbi Soualhia
Weltpremiere
Deutschland 2021, / Drei 360°- Videos, jeweils ca. 15.Min.

Von Salvador da Bahia (Brasilien) über Gujarat (Indien) bis Tanger (Marokko): Afroroutes bewegt sich auf den Spuren der drei großen Sklaverei-Routen – der trans-saharischen, der trans-atlantischen und der trans-pazifischen – und stellt dabei Fragen nach afrodiasporischer Identiät: Was geschah mit den Millionen vertriebenen afrikanischen Männern und Frauen? Wo leben ihre Nachkommen heute? Sind ihre ursprüngliche Kulturen und Sprachen verschwunden? Wie hat ihr Erbe zum Aufbau ihrer neuen Länder beigetragen?

Das Projekt macht diese Fragen anhand dreier unterschiedlicher musik- und klangbasierter Rituale und Zeremonien als gelebte kulturelle Erinnerungen, als Zeugnisse kultureller Resilienz und alteriertes und transzendentales Erbe in 360°- Videos erfahrbar: In Zeremonien der Candomblé, einer afro-brasilianischen Religion aus Bahia, dem Zentrum schwarzer Kultur in Brasilien und einer zentralen Achse für die Entwicklung der afro-brasilianischen Identität; in Dhamal- Ritualen der African Sidi Community, die in der Region Gujarat in Nordindien praktiziert werden sowie in Ritualen der Gnawa, einer ethnischen Minderheit in Marokko, mit Bezugnahme auf subsaharische Mythen, Farbcodes und Heilpraktiken.

SELIM HARBI (*1982 in Tunis) ist Multimedia-Autor, Regisseur und Produzent. Er studierte Audiovisuelle Medien an der Fachhochschule Beuth in Berlin und arbeitete u.a. als Regieassistent bei THE ENEMY, sammelte journalistische VR-Erfahrungen in Westafrika und gab regelmäßig Workshops in Media und Storytelling. Zudem war er Multimedia-Stipendiat von World Press Photo mit Schwerpunkt auf aktuellen Fragen der afrikanischen Diaspora. Harbi entwickelt und produziert Mixed-Media-Konzepte. Er lebt und arbeitet in Berlin.

 

AZIMUTH

von Nirma Madhoo
Südafrika / Australien 2019, Experimentalfilm, englische OV, 9 min

Azimuth ist ein 360°-Experimentalfilm, der in einem digitalen 3D-Asset, inspiriert durch sichtbetondurchzogene Wellenbrecherarchitekturen am Hafen von Durban, der Architektur der brutalistischen Gebäudekomplexe der Durban University of Technology sowie des Ponte-Towers in Hillbrow (Johannesburg), zeitgenössische Mode präsentiert. Azimuth feiert Beton als allgegenwärtiges Material in drei Elementarzuständen: flüssig, fest und ätherisch. Getragen von einem sphärischen Ambisonics Sorround Sound Score werden in den Modepräsentationen zugleich stereotype Vorstellungen und Zuschreibungen von afrikanischen Identitäten als dem „ethnisch Anderen“ infrage gestellt und unterlaufen.

NIRMA MADHOO ist eine in Durban und Melbourne lebende Modefilmerin und Forscherin. Sie begann ihre Karriere als Modedesignerin und wandte sich dann der zeitgenössischen Modefilmografie zu. In ihrer Arbeit stellt sie videografische Arbeiten mit CGI, 3D-Druck, Virtual Reality und Augmented Reality-Techniken gegenüber. Madhoos Arbeiten werden international auf Kurzfilmfestivals, Modefilmfestivals und digitalen Kunstfestivals präsentiert.

 

FERENJ – A GRAPHIC MEMOIR

von Ainslee Robson
United States/ Äthiopien 2020, 360°- Video, Sprachen: English, Amharic, Untertitel: Englisch, 9 min
Deutschlandpremiere

Das immersive grafische Memoir der amerikanisch-äthiopischen Regisseurin Ainslee Robson ist ein visueller Dialog zwischen Erinnerung, Realität und der Sphäre des Digitalen.
Basierend auf rekonstruierten autobiographischen Erinnerungen und begleitet von äthiopischer Tezetamusik, schafft Robson eine afrosensuale Traumlandschaft, die in fragmentierter Form vom äthiopischen Restaurants Empress Taytu in Cleveland, Ohio, über das Elternhaus der Regisseurin bis in die Straßen von Addis Abeba führt. Unterlegt mit einem spekulativen Gespräch zwischen der Erzählerin mit der ehemaligen äthiopischen Kaiserin Taytu, hinterfragt FERENJI die Bedeutung von Heimat und Identität aus der Erfahrungsperspektive der äthiopisch-amerikanischen Diaspora.

Ainslee Alem Robson ist eine preisgekrönte äthiopisch-amerikanische Regisseurin, Autorin und Medienkünstlerin. In ihren Arbeiten dekonstruiert Robson Identität, Hierarchien und koloniales Erbe mithilfe des Mediums Film und neuen Technologien in der digitalen Kunst.
Ihre Sachtexte wurden von eFlux, Guggenheim, Art Africa, Vogue Italy und Offramp Academic Journal veröffentlicht. Regiedebüt FRENJI – A GRAPHIC MEMOIR IN VR feierte seine Premiere beim Tribeca Film Festival 20und wurde seitdem bei zahlreichen weiteren Festivals präsentiert, unter anderem SXSW’s 2020 Virtual Cinema und New Images Festival 2020, wo es mit dem Special Jury Prize ausgezeichnet wurde.

SALOUM

SO 13 NOV
20.00 ARSENAL
Tickets

SALOUM
von Jean Luc Herbulot
Senegal 2021 I Spielfilm I OmeU I 84 min

2003, inmitten des Chaos eines Militärputsches in Guinea-Bissau, machen sich drei berüchtigte Söldner, ortsbekannt als die „Bangui Hyenas“, gemeinsam mit einem mexikanischen Drogenbaron und dessen Goldbarren mit dem Flugzeug aus dem Staub.
Doch auf dem Weg nach Dakar stürzt ihr Flieger ab und zwingt sie zur Notlandung in einer abgelegenen Region im Senegal, inmitten des Saloum Deltas. Die Männer geben sich als normale Reisende aus und kommen schließlich in einem schäbigen Urlaubsressort an der Küste unter, das von dem verdächtig großmütigen Omar betrieben wird, der seine Gäste mit Bewirtschaftungsaufgaben in der Umgebung betraut, anstatt Miete zu verlangen.
Die Gästeschaft ist einigermaßen bizarr: Neben einem Polizeihauptmann lebt dort die geheimnisvolle Awa, die weder hören noch sprechen kann, jedoch mehr über die Vergangenheit der „Bangui Hyenas“ zu wissen scheint, als ihnen lieb ist.
In der Gruppe bricht Streit aus, doch bald sehen sie sich einer unerklärlichen Macht gegenüber, die offenbar seit Ewigkeiten im verfluchten Land lauert. Schnell wird den „Banguie Hyenas“ klar, dass sie nur lebend aus der Sache herauskommen, wenn sie zusammenhalten.

Mit Saloum ist Jean Luc Herbulot ein Werk gelungen, das sich zwischen den Genres Action, Mystery-Thriller und Italo-Western changierend, jeglichen Genrezuschreibungen entzieht. Saloum feierte seine Weltpremiere in der Sektion „Midnight Madness“ beim Toronto International Film Festival 2021.

JEAN LUC HERBULOT, geboren und aufgewachsen in Brazzaville (Kongo), arbeitete nach seinem Studium in Paris erst für den französischen Fernsehsender TF1 als Grafikdesigner und gründete eine eigene Produktionsfirma für Musikvideos. Nach seinem Umzug nach Los Angeles drehte er seinen ersten Spielfilm Dealer (2014). 2017 kehrte er auf den afrikanischen Kontinent zurück und war Autor, Regisseur und Showrunner von Sakho & Mangane, der ersten französischsprachigen afrikanischen Fernsehserie, die von Netflix gekauft wurde.

Makongo

SO 13 NOV
18.30 ARSENAL
Tickets
und als Video on Demand bei INDIEKINOKLUB

MAKONGO (CATERPILLARS)
von Elvis Sabin Ngaïbino
Zentralafrikanische Republik/ Argentinien/ Italien 2020 I Dokumentarfilm I OmeU I 73 min

 

André und Albert, zwei junge Aka-Pygmäen, leben in Mongoumba (Zentralafrikanische Republik), inmitten des Kongobeckens. Trotz finanzieller Schwierigkeiten und der Stigmatisierung in der Schule aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit, kämpfen André und Albert darum, das Lernniveau der anderen Schüler*innen zu erreichen. Zugleich haben sie einen Traum: auch den anderen Aka-Kindern Bildung zu ermöglichen. Jeden Nachmittag nach dem Unterricht gehen sie auf verschlungenen Pfaden, mit einer Tafel auf der Schulter und Schiefertafeln in der Tasche, zu ihren „Waldschülern“, Kindern jeden Alters, die nicht zur Schule gehen, um ihnen das Lesen und Schreiben beizubringen. Dieses Vorhaben wollen sie mit dem Verkauf von Raupen (Makongo), der Haupteinnahmequelle der Pygmäen, finanzieren und so machen sie sich auf dem Weg zum Markt in die Haupstadt Makongo…

ELVIS SABIN NGAIBINO, geboren 1985 in Bangui in der Zentralafrikanischen Republik, ist diplomierter Geologe und träumte schon immer davon, im Kino zu arbeiten. Im Jahr 2012 gründete er mit Freunden die Académie du Cinéma Centrafricain, einen Verein, der Kinoliebhaber*innen zusammenbringt. Mit begrenzten Mitteln produzierte und drehte er kleine Filme für das zentralafrikanische Fernsehen, bis zu dem Tag, an dem sich sein Weg mit dem der Ateliers Varan kreuzte, die ihn im Dokumentarfilmbereich ausbildeten und ihm ermöglichten, Docta Jefferson zu drehen, das Porträt eines Apothekers aus seiner Nachbarschaft, das auf mehreren internationalen Festivals gezeigt wurde. Caterpillars (Makongo) ist sein erster Langdokumentarfilm, er wurde beim Festival Cinéma du Réel in Paris ausgezeichnet.

 

AFRICA RIDING

SO 13 NOV
16.00 HUMBOLDT FORUM

AFRICA RIDING: Jugendprogramm
Liz Gomis und Aurélien Biette
Frankreich 2018 I OmU I ca. 60 min
in Anwesenheit von Liz Gomis und mit Street-Dance Einlagen Berliner Tänzer*innen
Eintritt frei!

 

Mit AFRICA RIDING präsentiert AFRIKAMERA ein Jugendprogramm mit Gästen. Die Dokumentarserie, aus der eine Auswahl von fünf Episoden gezeigt wird, begleitet unterschiedliche Communities von Ridern – Skateboarder*innen, Rollerskater*innen, Biker*innen – in Accra (Ghana), Kigali (Ruanda), Dakar (Senegal) und Kampala (Uganda) die aus Bürgersteigen, Plätzen und Pisten des Kontinents ihre Playgrounds schaffen und so an der Kreation einer neuen kulturellen und sozialen Ordnung beteiligt sind.
Außerdem gibt es Streetdance-Einlagen von Berliner Tänzer*innen.

LIZ GOMIS ist Journalistin und Filmemacherin. Sie studierte Kulturvermittlung, Kommunikation und audiovisuellen Journalismus an der Sorbonne in Paris. Sie arbeitet als Kolumnistin für den französischen Sender „Radio Nova“ und ist Mitglied eines von Präsident Emmanuel Macron einberufenen Beratergremiums zu afrikanisch-französischen Beziehungen. Sie arbeitet in dieser Funktion auch mit an der Restaurierung und Digitalisierung afrikanischer Filme und entwickelt Workshop- und Filmprogramme für Schüler*innen.

 

AFRIKAMERA SHORTS / AFRODIASPORIC PERSPECTIVES

SO 13 NOV
15.00 ARSENAL
Tickets

AFRIKAMERA SHORTS: AFRODIASPORIC PERSPECTIVES
Guinea/ Kenia/ Deutschland u.a. 2018-2020 I Kurzfilmprogramm I OmU I 64 min

 

IN DEUTSCHLAND

von Christoph Mushayija Rath
Guinea/ Deutschland u.a. 2020 I Digital I OmU I 15 min

Ouakam und Semah wollen Fußball spielen gehen, was einfacher gesagt ist als getan. Als sie es dann doch zum Strand schaffen, geraten die beiden in einen Streit, da Ouakam für Semahs Begriffe zu egoistisch spielt und den Ball nicht abgibt. Beim Ausruhen nach dem Spiel kommt die Mannschaft auf die Deutschen, die in der Nachbarschaft wohnen. Gerüchten nach zu urteilen sollen die einen wunderschönen Swimmingpool haben. Es wird nicht lange überlegt und die Bande macht sich auf den Weg ins vermeintliche Glück. Als nach einer Reihe von Hindernissen letztlich nur zwei zum Pool dürfen, ist es an Ouakam zu entscheiden, ob er seinen besten Freund Semah mitnimmt oder nicht.

CHRISTOPH MUSHAYIJA RATH wurde 1985 in Gatagara (Ruanda) geboren. Nach seinem Abitur und Zivildienst verbrachte er eineinhalb Jahre in Guinea, wo er freiberuflich als Fotograf und Filmemacher tätig war. Zurück in Deutschland, arbeitete er bei der Werbeagentur Saatchi & Saatchi. Eineinhalb weitere Jahre in Westafrika – diesmal im Senegal – arbeitete er erneut als Filmemacher und Fotograf. Mehrere Kurz- und Dokumentarfilmarbeiten entstanden mit CinéBanlieue, einem Zusammenschluss junger Filmschaffender in Dakar, vorgestellt vom FilmInitiativ beim AFFK 2017. Seit 2011 studiert Rath Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB).

 

 

Miss Black Germany

von Elisha Smith-Leverock
Deutschland 2018 I Digital I OmeU I 12 min

Bei ihren Vorbereitungen auf die Wahl zur Miss Black Germany in Berlin erzählen vier Frauen von ihren persönlichen Erfahrungen mit den überwiegend weißen Schönheitsidealen, mit denen sie aufgewachsen sind.

ELISHA SMITH-LEVEROCK studierte Fotografie in Berlin und zog 2005 London. Sie ist halb Engländerin und halb Deutsche. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als freiberufliche Fotografin und Mitarbeiterin für mehrere internationale Modemagazine wie Bon, 032.c, Another und Dazed & Confused. Parallel zu ihrer Karriere als Fotografin begann Elisha, mit bewegten Bildern zu experimentieren, und 2009 wechselte sie in die Welt der Modefilme und Musikvideos. Ihr Kurzfilm I Want Muscle gewann den MK2 Grand Prix beim renommierten ASVOFF-Festival von Diane Pernet und wurde neben anderen Nominierten wie Commes Des Garçons, Louis Vuitton und Prada für den London Design Museum’s Designs Of The Year Award nominiert.

 

BREAKFAST IN KISUMU

von Rebecca Achieng Ajulu-Bushell
Großbritannien/ Kenia/ Südafrika 2019 I OmeU I 37 min

Rok Ajulu (1950-2016) war ein bekannter kenianischer Wissenschaftler und Aktivist, der sich im Kampf gegen die Apartheid in Südafrika engagierte. Breakfast In Kisumu ist die Hommage seiner Tochter Rebecca an ihren Vater. Das Leitmotiv des Films ist ein intimes Gespräch zwischen Vater und Tochter, das sie aufnahm, kurz bevor Ajulu erfuhr, dass er unheilbar krank war. Er spricht über die vielen Wendungen in seinem Leben, in dem er für die Freiheit kämpfte, aber immer wieder im Gefängnis oder im Exil landete. Sie behandeln seine Zeit als aktivistischer Student im Kenia der 1970er Jahre, sein Studium in Bulgarien, seine erste akademische Position in England und seine enge Verbindung zu Südafrika. Gedreht in sechs Ländern in verschiedenen Formaten, zeichnet der Film wesentliche Stationen von Ajulus Leben nach und ist dabei zugleich ein persönlicher Versuch der Regisseurin, das Leben ihres Vaters nachzuempfinden, der nur sporadisch in ihrem Leben präsent sein konnte.

REBECCA ACHIENG AJULU-BUSHELL wuchs in verschiedenen afrikanischen Ländern auf, bevor sie nach Großbritannien zog, um ihre sportliche Karriere zu verfolgen. Nach ihrer Teilnahme an den Commonwealth Games 2010 verließ sie die britische Olympiamannschaft, um sich auf ihre Ausbildung zu konzentrieren und machte ihren Abschluss am Brasenose College in Oxford in Kunstgeschichte (BFA Hons). Dort gründete sie das Peerless Women’s Network, hatte mehrere Einzelausstellungen und arbeitete unter anderem in der Bildungsabteilung der Saatchi Gallery.

 

Neptune Frost

SA 12 NOV
21.00 ARSENAL
Tickets

NEPTUNE FROST
von Saul Williams und Anisia Uzeyman
Ruanda/ USA 2021 I Spielfilm I OmeU I 105 min

WDH 13.11. / 18.00 BROTFABRIKKINO
Tickets

 

In einer unwirtlichen Bergregion in einem namenlosen Staat in Zentralafrika bildet eine Gruppe geflohener Coltan-Bergarbeiter gemeinsam mit Hacker*innen eine antikolonialistische Widerstandsgruppe. Von ihrem Lager in einer unwirklichen Elektroschrott-Müllhalde aus versuchen sie, das autoritär-diktatorische Regime zu stürzen, das die natürlichen Ressourcen der Region – und ihre Menschen – ausbeutet. Als die transidente Ausreißerin Neptune und der entkommene Coltan-Bergarbeiter Matalosa durch kosmische Kräfte zueinander finden, gelingt es dem Kollektiv, das scheinbar übermächtige System ins Wanken zu bringen…

Gedreht unter schwierigen pandemischen Bedingungen 2020 in Ruanda in weniger als einem Monat, ist Neptune Frost eine mitreißende afrofuturistische Fantasie, changierend zwischen Musical, Science-Fiction-Parabel und ökofeministischen Hacker-Manifest. Neptune Frost feierte seine Premiere beim Filmfestival in Cannes 2021 und wurde seitdem für zahlreiche Preise nominiert.

SAUL WILLIAMS ist ein amerikanischer Dichter, Musiker und Schauspieler. Sein Schauspieldebüt gab er in dem Film Slam von Marc Levin, an dem er mitschrieb. Der Film gewann 1998 den Großen Preis der Jury in Sundance und die Camera D’Or in Cannes. Saul war in der Serie Girlfriends zu sehen und hat in diversen Filmen mitgewirkt, darunter K-Pax, Lackawanna Blues, New York, I Love You, Akilla’s Escape und Aujourd’hui-TEY (Alain Gomis), der 2013 den L’Etalon D’Or bei FESPACO gewann. Saul war der erste Afroamerikaner, der auf dem Festival als bester Schauspieler ausgezeichnet wurde. Im Jahr 2014 gab Saul sein Broadway-Debüt als Hauptdarsteller in Holler If Ya Hear Me, das auf den Texten von Tupac Shakur basiert. Saul hat fünf Gedichtbände veröffentlicht, die in mehrere Sprachen übersetzt worden sind. Als Musiker hat er sechs Alben veröffentlicht und ist mit Künstlern wie Kanye West, Nas, Janet und Keith auf Tournee gegangen.

 

ANISIA UZEYMAN, geboren in Ruanda, ist Schauspielerin, Dramatikerin und Regisseurin. Ihr Regiedebüt Dreamstates wurde komplett mit iPhones gedreht, die Hauptrollen spielen Saul Williams, William Nadylam und Beau Sia. Der Film wurde 2016 auf dem Lausanne Afro Fusion Festival uraufgeführt. Uzeyman hat auch bei zahlreichen Musikvideos Regie geführt. Als Schauspielerin wirkte Uzeyman unter anderem bei Aujourd’hui-TEY mit, in dem sie Saul Williams kennenlernte und Ayiti Mon Amour von Guetty Felin, der beim Toronto International Film Festival 2017 premierte. Ihr erstes Buch, eine poetische Bearbeitung ihres Original-Drehbuchs Saolomea, Saolomea ist im Dezember 2021 erschienen.

 

No U-Turn

SA 12 NOV
18.30 ARSENAL
Tickets
und als Video on Demand bei INDIEKINOKLUB

NO U-TURN
von Ike Nnaebue
Nigeria/ Südafrika/ Frankreich/ Deutschland 2022 I Dokumentarfilm I OmeU I 93 min
in Anwesenheit des Regisseurs

 

Mit seinem Dokumentarfilmdebüt begibt sich der nigerianische Regisseur Ike Nnaebue auf eine Reise in seine eigene Vergangenheit. Vor mehr als 20 Jahren versuchte er von Nigeria aus über Benin, Mali, Mauretanien und Marokko nach Europa zu kommen. Doch weil ihm die Fahrt über das Mittelmeer zu riskant erschien, kehrte Nnaebue schließlich nach Nigeria zurück, um ein Filmstudium zu beginnen.

In seinem Film zeichnet Nnaebue eindrücklich nach, was junge Männer und Frauen dazu treibt, sich auf diesen gefährlichen Weg in eine ungewisse Zukunft begeben. In intimen Interviews werden insbesondere auch Erfahrungen junger Frauen auf dem Weg nach Norden erhellt und Einblicke in ihre Träume und Nöte gegeben.

Mit NO U-TURN hat Nnaebue einen essayistischen wie selbstreflexiven filmischen Reisebericht geschaffen, der die Sehnsüchte junger Menschen in Westafrika nach einem besseren Leben in einem anderen Licht aufzeigt.

IKE NNAEBUE wurde 1975 in Ojoto, Nigeria geboren und arbeitet als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er realisierte mehrere erfolgreiche Spielfilme, darunter Sink or Swim über illegale Migration und Menschenhandel, der auf dem Newark International Film Festival den Preis für den besten Spielfilm gewann. No U-Turn ist sein erster Dokumentarfilm. Mit diversen Ausbildungsangeboten und Workshops engagiert er sich für die Nachwuchsförderung im Bereich Film und gibt jungen Afrikaner*innen insbesondere sein Know-how im Smartphone-Filmemachen weiter.

 

SOULA

FR 11 NOV
22.00 ARSENAL
Tickets

SOULA
von Salah Issaad
Algerien/ Frankreich/ Saudi Arabien/ Katar 2021 I Spielfilm I OmeU I 91 min
Deutschlandpremiere

 

Soula, eine junge alleinerziehende Mutter, wird von ihrer Familie im Namen der Ehre verstoßen. Sie weiß nicht, wohin sie gehen soll, als ihr Vater sie aus dem Haus wirft, und bittet daher Freunde und Verwandte um Hilfe. Um ihre kleine Tochter zu retten, begibt sie sich im Osten Algeriens auf einen 14-stündigen dystopischen Roadtrip von Batna bis Annaba und steuert dabei auf ihr unausweichliches Schicksal zu.

Die Hauptdarstellerin Soula Bahri ist nicht nur die Co-Autorin des Filmskripts, sondern verkörpert sich in dieser semi-autobiographischen Geschichte auch selbst.

Das Langfilmdebüt von Salah Issaad wurde bei zahlreichen Festivals ausgezeichnet, unter anderem beim Beirut International Women Film Festival und Arab Film Festival in Malmö. AFRIKAMERA präsentiert Soula als Deutschlandpremiere.

SALAH ISSAAD, geboren 1989 in Arris (Algerien), zog nach seinem Studium an der juristischen Fakultät von Batna in Algerien nach Frankreich, um sein zweijähriges Filmstudium an der Universität Paris VIII zu absolvieren. Danach besuchte er die ARFIS-Schule für audiovisuelle Medien in Lyon und wechselte schließlich zur Factory School in Villeurbanne, wo er sein Diplom als Filmregisseur erwarb. Issaad führte bei mehreren Kurzfilmen Regie. Soula ist sein Langfilmdebüt.

 

Bal poussière

FR 11 NOV
20.30 HUMBOLDT FORUM
Tickets

BAL POUSSIERE
von Henri Duparc
Elfenbeinküste 1988 I Spielfilm I OmeU I 93 min
in Anwesenheit von Henriette Duparc (Filmproduzentin/ Fondation Henri Duparc)

WDH 12.11. / 18.00 BROTFABRIKKINO
Tickets

 

Demi-dieu (Halbgott) ist ein wohlhabender Bauer und Dorfchef mit fünf Ehefrauen. Als er beschließt, mit der jungen Binta eine sechste Frau zu heiraten, um für jeden Tag der Woche (außer Sonntag, dem Ruhetag) eine Ehepartnerin zu haben, werden seine fünf anderen Frauen unzufrieden. Binta, eine moderne, selbstbewusste Frau, will sich nicht unterordnen. Schon bald kommt es zu Konflikten mit ihrem Mann und den anderen Frauen, die für Komik sorgen.
Mit der Polygamie-Komödie Bal Poussière präsentiert AFRIKAMERA einen Klassiker des Genres. Der Film des ivorischen Regisseurs Henri Duparc lädt die Zuschauer*innen mit Humor und Slapstick dazu ein, über eingefahrene Gewohnheiten und gesellschaftlichen Wandel nachzudenken und eine Reflexion in Selbstkritik zu üben.

HENRI DUPARC, geboren 1941 in Guinea, gestorben 2006 in Paris, studierte Filmwirtschaft an der „Ecole de Cinématographie de Belgrade“ und am „Institut des Hautes Etudes Cinématographiques (IDHEC) de Paris“. Danach ließ er sich in der Elfenbeinküste nieder und gründet „Focale 13“, seine Filmproduktions- und Rundfunkgesellschaft. Als emblematische Figur des afrikanischen Kinos widmete er den größten Teil seines Werks Komödien, in denen er die gesellschaftlichen Probleme des modernen Afrikas thematisierte. Zu seinen bekanntesten Filmen gehören Abusuan (1972), Une Couleur Café (1997), Rue Princesse (1993) und Caramel (2004).

 

LE DERNIER REFUGE (THE LAST SHELTER)

FR 11 NOV
18.30 ARSENAL
Tickets
und als Video on Demand at INDIEKINOKLUB

LE DERNIER REFUGE (THE LAST SHELTER)
von Ousmane Samassékou
Mali/ Südafrika/ Frankreich 2021 I Dokumentarfilm I OmeU I 85 min
in Anwesenheit des Regisseurs Ousmane Samassékou

 

Das von der Caritas betriebene „House of Migrants“, gelegen nahe der malischen Stadt Gao am Übergang von der Sahelzone zur Wüste Sahara, bietet Zuflucht für müde und gestrandete Reisende auf dem Weg nach Norden, für die es kein Zurück in ihre Heimatorte gibt.

Der junge malische Regisseur Ousmane Samassékou lässt die Zuschauer*innen tief in das alltägliche Leben und die Träume der Menschen im „House of Migrants“ eintauchen – wie in jene von Esther, einem 16-jährigen Mädchen aus Burkina Faso, das davon träumt, mit ihrem Begleiter Kadi nach Algerien zu gehen; Mariko, der Visionen von einer Frau an seinem Fenster hat, die er heiraten und nach Europa mitnehmen möchte, oder auch Natacha, eine ruhige und andächtige Frau mittleren Alters, die seit fünf Jahren ihre Tage mit einsamen Schach- und Würfelspielen verbringt.

Inspiriert von der Geschichte seines Onkels, der vor mehr als 30 Jahren nach Deutschland aufbrach und auf dem Weg dorthin verschwand, ist Ousmane Samassékou ein menschlicher, zutiefst bewegender Dokumentarfilm geglückt, der – durchzogen von lyrischen Bildern der sonnenbeschienenen Wüste – noch lange nachwirkt. Der Regisseur wird für das Screening vor Ort sein.

OUSMANE SAMASSEKOU studierte BWL und anschließend am Conservatory of Multimedia Arts and Crafts in Bamako. Mit anderen zusammen gründete er die DS Production, wo er als Produzent, Regisseur, Kameramann und Filmeditor arbeitet.

 

Top