African Shorts – African pop cultures

FR 19 NOV
18.00 ARSENAL
TICKETS

Kurzfilmprogramm
Ghana und andere 2021
anschließend Podiumsgespräch mit Pamela Owusu-Brenyah & Fatou Kandé Senghor

 

In der Kurzfilmrolle AFRICAN SHORTS – AFRICAN POP CULTURES (Ghana u.a. 2021) stehen kurze Formate im Fokus, die sich mit aktuellen Trends afrikanischer Popkulturen auseinandersetzen, darunter ADIKORO – WOMEN IN MUSIC: GHANA (Ghana, Deutschland 2021), eine Kurzdoku der deutsch-ghanaischen Regisseurin und Kuratorin Pamela Owusu-Brenyah, die sich mit weiblichem Empowerment in der Popmusikszene von Ghana beschäftigt. ADIKORO heißt auf Twi ungefähr soviel wie »gleichberechtigt« und formuliert damit im Titel auch den Anspruch, den Owusu-Brenyahs Debüt verfolgt: Der darin dokumentierte Missstand soll behoben und Künstlerinnen dazu ermutigt werden, ihren Träumen von einer Musikkarriere zu folgen. Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Pop-Kultur Festival Berlin.

Pamela Owusu-Brenyah setzt sich für die Sichtbarkeit der zeitgenössischen Afro-Pop-Kultur und Menschen afrikanischer Abstammung in Deutschland ein. Die in Berlin lebende Musikberaterin, Festivalorganisatorin und DJ ist derzeit Programmkuratorin bei Pop-Kultur und arbeitete in der Vergangenheit als A&R für Universal Music Central Europe & Africa. Als freiberufliche Beraterin kuratierte sie seit 2019 das Programm für u.a. das Pop-Kultur Festival, Reeperbahn Festival, Bundesministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit und die GIZ.

Mit der Gründung ihrer eigenen Community-Plattform und des Festivals AFRO x POP im Jahr 2018 hat sie das Ziel, talentierten Künstlerinnen der afro- deutschen Szene eine Bühne zu geben. Pamela ist zudem Jurymitglied des Artist and Residency Funding Program des Musicboard Berlin und Vorstandsmitglied von Music Women* Germany, einem bundesweiten Netzwerk und digitalen Datenbank, die sich für die Gleichstellung der Geschlechter und die Beteiligung von Frauen in der Musik einsetzt.

Im Sommer 2021 drehte die Afropop-Expertin ihr erstes Dokumentarfilmprojekt. Für »ADIKORO« reiste sie nach Ghana, interviewte dort Künstlerinnen und Akteur*innen aus dem Musikgeschäft, um den sozioökonomischen Bedingungen auf den Grund zu gehen, die Frauen den Zugang und die Sichtbarkeit im lokalen und globalen Popgeschäft versperren.

Fatou Kandé Senghor

Fatou Kandé Senghor ist eine preisgekrönte Autorin, bildende Künstlerin, Dokumentarfilmerin und Pädagogin, sie lebt in Dakar. Ihr jüngster Film „Donner Naissance“ („Giving Birth“), wurde für die 56. Biennale von Venedig ausgewählt.

Senghor hat zahlreiche Beiträge zu den Themen Gender, Kultur, Geschichte und afrikanisches Kino verfasst und ist Gründerin von Waru Studio, einem Raum für junge Künstler und Filmemacher, in dem die Schnittstellen von Kunst, Wissenschaft, Technologie und Politik in Afrika erforscht werden. Zu ihren wichtigsten Kooperationen zählen u.a. die Zusammenarbeit mit Ousmane Sembène bei „Faat Kiné“ (2000) und mit Wim Wenders bei „The Invisible“ (2007), einem Dokumentarfilm über sexuelle Gewalt gegen Frauen im Kongo.

 

Zinder

Zinder

DO 18 NOV
22.00h ARSENAL
TICKETS

von Aïcha Macky
Niger, Frankreich, Deutschland | 2021 | 82 min | OmE

Zinder ist die zweitgrößte Stadt des Niger und zugleich Schauplatz dieser eindrücklichen Dokumentation über gewalttätige Gang- und Jugendkultur in dem Ort.
Regisseurin Aïcha Macky, selbst in Zinder geboren, begleitet in ihrem zweiten Langfilm die drei Protagonisten Siniya, Bawo und Ramsess, Mitglieder der Gang „Hitler“ durch ihren Alltag im Stadtviertel „Kara Kara“. Das ehemals als Ghetto für Leprakranke errichtete Viertel ist geprägt durch Arbeitslosigkeit, Armut und fehlendem Zugang zu Bildung. Die Kamera folgt den Gangmitgliedern auf zurückhaltende Art und Weise, ohne zu werten und kommentieren. Dabei scheint im Kampf ums Überleben zwischen Gang, Bodybuilding, Rotlichtviertel und Familie auch immer wieder Hoffnung, den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen.

 

Director Aicha Macky
Director Aicha Macky

Aïcha Macky wurde 1982 in der Republik Niger geboren und erwarb einen Master in Soziologie und Dokumentarfilm an der Gaston Berger Universität in Senegal. Ihr erster Kurzfilm war „Moi et ma maigreur / Me and My Thinness“ über die Wahrnehmung des dünnen Körpers durch die Einwohner von Niger. Sie setzte ihre Ausbildung bei Contrechamps und Maggia Images (Niger) fort und arbeitete als Assistentin für zahlreiche Spiel- und Dokumentarfilme. „The Fruitless Tree / L’Arbre sans fruit“ (2016, auch bei AFRIKAMERA präsentiert) war ihr erster Dokumentarfilm, der weltweit gezeigt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde.

 

#LANDoftheBRAVEfilm

land of the brave

DO 18 NOV
20.15h HUMBOLDT FORUM
TICKETS

von Tim Huebschle
Namibia | 2019 | 95 min | OmU
Im Anschluss digitales Q+A mit Tim Huebschle

Meisie Willemse arbeitet im Rotlichtviertel von Windhoek als Ermittlerin. Während sie einer betrunkenen Prostituierten helfen möchte, wird sie niedergeschlagen und ihrer Dienstwaffe beraubt. Als der Torso der Prostituierten in einem Flussbett gefunden wird, gerät sie mit ihrem Partner Shivute in einen Strudel unvorhergesehener Ereignisse. Ein zynischer Yellow Press-Reporter namens Piet Potgieter beginnt sie im Zuge der Ermittlungen zu beschatten und im Zusammenhang mit einem dunklen Geheimnis zu erpressen, das bis in die Zeit kurz vor der Unabhängigkeit von Namibia 1990 zurückreicht. Und hat der mysteriöse Forensiker Dr. Schneider mit den toten Frauen etwas zu tun?

Der deutsch-namibische Regisseur Tim Huebschle hat mit #LANDoftheBRAVEfilm einen düsteren Thriller geschaffen. Im Jahr 2014 als Transmediaprojekt gestartet, lässt Huebschle in seiner spannenden Krimigeschichte die Verletzungen durch die Abgründe der jüngeren kolonialen Vergangenheit aufscheinen. Gedreht mit einem namibischen Cast auf Afrikaans und Englisch haben zudem bekannte namibische Künstler wie der Kwaito Artist Gazza Cameo Auftritte.

Tim Huebschle ist ein namibischer Produzent und Regisseur. Der Fokus auf fesselnde Geschichten, die in der realen Welt verwurzelt sind, prägte Tims Karriere als Filmemacher seit dem Jahr 2000, die in verschiedenen gefeierten Dokumentarfilmen, fiktionalen Filmen und Musikvideos gipfelte.

Seit der Mitbegründung von Collective Productions im Jahr 2009 hat er namibische Geschichten für den internationalen Markt gedreht, darunter mehrere Episoden für eine deutsche Doku-Serie, Dokumentarfilme für einen chinesischen Nachrichtensender und einen abendfüllenden Krimi – #LANDoftheBRAVEfilm – der in Namibia in die Kinos kam und auf internationalen Filmfestivals gezeigt wird.

 

Juju Stories

DO 18 NOV
20.00h ARSENAL
TICKETS

von Abba Makama, C.J. Obasi & Michael Omonua
Nigeria, Frankreich | 2021 | 84 min | OmE
Deutschlandpremiere

In JUJU STORIES setzt sich das nigerianische Filmkollektiv Surreal 16, bestehend aus den Regisseuren Abba T. Makama, C.J. ‘Fiery’ Obasi und Michael Omonua, in einem dreiteiligen Anthologie-Film auf ironische Art und Weise mit den übernatürlichen Kräften von Juju auseinander – jenseits gängiger Hexendoktorenklischees. In allen drei Filmen wird das Leben – gewollt oder ungewollt – durch die übernatürlichen Kräfte von Juju durcheinandergebracht.
In LOVE POTION braut eine unglücklich verliebte junge Frau auf Anraten einer Kollegin aus Menstruationsblut und Leichenwasser einen Trank zusammen, um ihren Traummann zu bezirzen – doch der Trank wirkt anders, als erwartet…
In YAM erzählt Abba T. Makama von den Konsequenzen, als ein Straßenjunge scheinbar wahllos Geld vom Straßenrand aufhebt.
In SUFFER THE WITCH von C.J. ‘Fiery‘ Obasi verwandeln sich Liebe und Freundschaft in Besessenheit, als eine junge Studentin das Interesse ihres Schwarmes weckt.

 

Abba T. Makama ist bildender Künstler und Filmemacher. Er ist der Gründer und Kreativdirektor von OSIRIS FILM & ENTERTAINMENT, einer Kreativgruppe, die Ideen und Strategien für digitale und traditionelle Medien entwickelt. Abba hat einen Abschluss in Betriebswirtschaft von der State University New York, Fredonia und studierte Film an der renommierten New York University (N.Y.U). Nach seiner Rückkehr nach Nigeria hat er in verschiedenen Funktionen für Marken wie Google, GT-Bank und BlackBerry gearbeitet. Im Jahr 2015 führte er bei einem Dokumentarfilm über die nigerianische Filmindustrie mit dem Titel „NOLLYWOOD – something from nothing“ für Al Jazeera Regie, der bei den AMAA (African Movie Academy Awards) für den besten Dokumentarfilm nominiert wurde. Zudem produzierte und inszenierte er eine Reihe von preisgekrönten Kurzfilmen.
Sein Debütfilm „Green White Green“ hatte seine Weltpremiere 2016 auf dem Toronto International Film Festival und lief auf über 20 internationalen Filmfestivals. Sein zweiter Film, „The Lost Okoroshi“, wurde ebenfalls beim TIFF uraufgeführt. Makama ist auch Maler, Kunstliebhaber und hat ein großes Interesse an Freudscher und Jungscher Psychologie.

 

C.J. „Fiery“ Obasi wuchs mit Hammer House-Horrorfilmen und Stephen King-Romanen auf. Als Kind entwickelte er eine Begabung für das Zeichnen von Comics.  Viel später hängte C.J. sein Informatikstudium an der University of Nigeria (UNN) an den Nagel, um sich voll und ganz dem Filmemachen zu widmen.
Obasi, der auch „Fiery“ oder „The Fiery One“ genannt wird, drehte sein Spielfilmdebüt „OJUJU“ – ein Null-Budget-Film, der im November 2014 auf dem Africa International Film Festival (AFRIFF) Premiere feierte und den Preis für den „Besten nigerianischen Film“ gewann. OJUJU wurde bereits auf über 30 Filmfestivals gezeigt. Obasis zweites Werk ist der Spielfilm „O-Town“, ein Arthouse-Krimi, der auf dem AFRIFF und dem Gothenburg Film Festival gezeigt wurde.
Obasis Kurzfilm „Hello, Rain“, der auf „Hello, Moto“ von der weltbekannten Autorin Nnedi Okorafor basiert, hatte seine Weltpremiere im Mai 2018 beim Oscar-qualifizierenden Internationalen Wettbewerb der Kurzfilmtage Oberhausen und wurde auf über 30 Festivals gezeigt. „Hello, Rain“ wurde seitdem auf CNN und BBC für seine Fortschritte im Bereich des afrikanischen Futurismus und der Fantasie vorgestellt. Im Jahr 2019 war Obasi Jurymitglied beim Durban International Film Festival. Derzeit befindet er sich in der Postproduktion seines dritten Spielfilms „Mami Wata“ – ein von Frauen geprägter Schwarz-Weiß-Fantasyfilm, der mithilfe des  Ouaga Film Lab, Less is More, EAVE und Durban FilmMart entwickelt wurde.

 

Michael Omonua machte seinen Abschluss an der Filmhochschule UCA in Farnham und hat seitdem mehr als zehn Kurzfilme und einen Spielfilm gedreht. Seine Filme wurden auf vielen Filmfestivals gezeigt, darunter IFFR, London Short Film Festival, Encounters und AFRIFF. 2016 war Omonua Mitbegründer eines Kollektivs von Filmemachern, das als The Surreall6 bekannt ist. Ihr Ziel war es, inspiriert von der Dogme-95-Bewegung, das nigerianische Kino auf einen neuen Kurs zu bringen. Das Kollektiv legte 16 Regeln und Richtlinien für die Herstellung ihrer Filme fest. Der erste Anthologie-Kurzfilm „Visions“ wurde 2018 beim African Movie Academy Award für den besten Kurzfilm nominiert.
Omonua fungierte als Director of Photography bei Abba T. Makamas zweitem Spielfilm „The Lost Okoroshi“, der auf dem TIFF 2019 seine Weltpremiere hatte. Omonuas Debütfilm „The Man Who Cuts Tattoos“ feierte seine Weltpremiere auf dem BFI London Film Festival 2019.

 

Afrikamera Shorts

DO 18 NOV
18.00 HUMBOLDT FORUM
TICKETS

Kurzfilmprogramm
Ägypten / Äthiopien, Kenia, Sudan / Burkina Faso 2019-21 | 69 min

 

Mit dem Programm AFRIKAMERA SHORTS, zusammengestellt von Alex Moussa Sawadogo, präsentiert das Festival eine Auswahl herausragender, aktueller Kurzfilmproduktionen aus Burkina Faso, dem Sudan sowie aus Ägypten:

Bablinga
Fabien Dao | Frankreich, Burkina Faso | 2019 | 14 min | Engl UT

Schon immer hatte Moktar geschworen, dass er nach Burkina Faso zurückkehrt, sobald seine Bar schließt. Aber als der Tag der Entscheidung vor der Tür steht, zögert er. Da besuchen ihn seine Geister, um ein letztes Mal mit ihm zu feiern…

Fabien Dao wurde in Paris als Sohn einer französischen Lehrerin und eines Filmemachers aus Burkina Faso geboren. Nach einem naturwissenschaftlichen Studium führte ihn seine Leidenschaft für Musik und Kino zu einem Studium an der Tonabteilung der École nationale supérieure des métiers de l’image et du son in Paris. Dort führte er Regie bei „The Boromo’s Caïman“. Im Jahr 2017 drehte er „It Rains on Ouaga“ und 2019 schloss er mit „Bablinga“ die Trilogie über seinen Vater ab.

 

 

Journey to Kenya
Ibrahim Ahmad | Äthiopien, Kenia, Sudan | 2020 | 29 min | Engl UT

Diese mitreißende Kurzdokumentation begleitet ein sudanesisches Ju-Jutsu Team bei seiner Reise mit einem Mini-Van von Khartum nach Nairobi, um dort – getragen vom Geiste der sudanesischen Revolution – an einem Wettkampf teilzunehmen.

Ibrahim Ahmad ist ein international preisgekrönter junger sudanesischer Filmemacher. Geboren und aufgewachsen im Libanon, migrierte er nach dem Krieg 2006 als Teenager in den Sudan. Obwohl es in seinem Heimatland keine Filmschule gab, entdeckte er seine Leidenschaft für eine Karriere als Filmemacher. Obgleich Autodidakt, baute er ein umfassendes Netzwerk mit Filmemacherkolleg*innen und Festivalprogrammierer*innen in nationalen und internationalen Organisationen auf. Sein Dokumentarfilm „Khartoum Offside“ wurde mit dem African Movie Academy Award als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. „You Will Die at 20“ erhielt beim Filmfestival von Venedig 2020 den „Golden Lion of the future“ und gilt als der erste sudanesische Spielfilm seit über einem Jahrzehnt, der in Europa, dem Nahen Osten und Afrika gezeigt wurde.

Während der jüngsten sudanesischen Revolution spielte Ahmad eine führende Rolle bei der Dokumentation und Aufarbeitung der Grausamkeiten und Verbrechen des alten Regimes, um einen Beitrag zur Gerechtigkeit und zur Gestaltung der neuen Ära seines Landes zu leisten.

 

 

Tuk-tuk
Mohamed Kheidr | Ägypten | 2021 | 26 min | Engl UT
In Anwesenheit von Mohamed Kheidr – Q+A

Tuk-tuk erzählt die Geschichte von Walaa, die gezwungen ist, allein für den Unterhalt ihrer Familie aufzukommen, nachdem ihr Mann sie verlassen hat, um auszuwandern. Um ihre Kinder durch die Schule zu bringen und die Medikamente ihrer Mutter zu bezahlen, setzt sich Walaa ans Steuer und fährt ein Tuk-tuk, um über die Runden zu kommen. Für die Miete musste sie jedoch eine Reihe von Schuldscheinen unterschreiben und sich verpflichten, das Geld in Raten zurückzuzahlen. Der Film beleuchtet die Schwierigkeiten von Frauen, wenn sie Rollen übernehmen, die traditionell von Männern besetzt sind und wirft ein Schlaglicht auf das Problem von ägyptischen Schuldnerinnen, die ins Gefängnis kommen, weil sie geliehenes Geld nicht zurückzahlen können.

Mohamed Kheidr

Mohamed Kheidr begann seine Karriere als Künstler bereits im jungen Alter von 14 Jahren mit der Erstellung von Storyboards und studierte anschließend Grafikdesign, um dann doch 2007 in New York an die Film Academy zu gehen.
In seinem künstlerischen Schaffen verfolgt er das Ziel, die Sichtweise der Branche auf Produktionen mit begrenztem Budget durch die Schaffung erstklassiger Grafiken und Designs zu verändern. Er gründete sein eigenes Produktionshaus, in dem er eine Vielzahl von Projekten realisierte – als Regisseur, Kameramann, Drehbuchautor, Producer, Fotograf und Musiker.

 

Downstream to Kinshasa

DO 18 NOV
18.00h ARSENAL
TICKETS

von Dieudo Hamadi
DR Kongo, Frankreich, Belgien | 2020 | 90 min | OmE

Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm des kongolesischen Regisseurs Dieudo Hamadi schildert den Kampf der Opfer des Sechs-Tage-Krieges zwischen der ugandischen und ruandischen Armee in der kongolesischen Stadt Kisangani um Gerechtigkeit. Uganda wurde zwar vom Internationalen Gerichtshof der Kriegsverbrechen für schuldig befunden, die Opfer aber wurden nicht entschädigt.
20 Jahre später macht sich eine Gruppe von neun Frauen und Männer auf eine mehrwöchige Reise flussabwärts zur Hauptstadt Kinshasa, um endlich Wiedergutmachung zu erfahren.

Dieudo Hamadis kraftvolle Dokumentation wurde als erster kongolesischer Film für die Teilnahme am Wettbewerb des Filmfestivals von Cannes 2020 ausgewählt und u.a. beim letztjährigen DOKFest Leipzig mit dem Hauptpreis ausgezeichnet.

Dieudo Hamadi
Dieudo Hamadi

Dieudo Hamadi wurde 1984 in Kisangani (Demokratische Republik Kongo) geboren und studierte von 2005-2008 Medizin. Im Anschluss nahm er an diversen Dokumentar-Workshops teil. Dieudo Hamadi ist Autor von zwei Kurzdokus, „Ladies in Waiting“ und „Zero Tolerance“, die die Aufmerksamkeit verschiedener europäischer Festivals, darunter in Berlin, Paris, Amsterdam und in Kanada (Toronto) erregten. Für „Ladies in Waiting“ bekam er das „Pierre and Yolande Perrault“-Stipendium beim „Cinéma du Réel“ 2009 in Paris. Anschließend drehte er vier Dokumentionen mit Spielfilmlänge: „Atalaku“ (2013), „National Diploma“ (2014), „Maman Colonel“ (2017) und „Kinshasa Makambo“ (2018). 2015 gründete Dieudo seine eigene Produktionsfirma Kiripifilms. 2019 erhielt er das McMillan-Stewart-Stipendium für Herausragendes Filmemachen vom Film Study Center der Harvard Universität.

 

RUMBA RULES, NEW GENEALOGIES

RUMBA RULES, NEW GENEALOGIES

MI  17 NOV
20.30 HUMBOLDT FORUM
TICKETS

von Sammy Baloji, David N. Bernatchez
DR Kongo, Kanada, Belgien, Frankreich | 2020 | 108 min | OmE
Deutschlandpremiere
in Anwesenheit von David N. Bernatchez

Die nächtlichen Rumba-Parties in der kongolesischen Metropole Kinshasa mögen improvisiert wirken, aber hinter den Kulissen steckt harte Arbeit. „Rumba Rules, New Genealogies“ porträtiert das Schaffen des aus mehr als 30 Musiker*innen bestehenden Brigade Sarbati Orchestra. Wenn es seinen kongolesischen Rumba auf die Bühne bringt, entwickelt die Melange aus kubanischen Rhythmen, lokalem Gesang und Tanz einen leidenschaftlichen Sog, dem sich niemand entziehen kann.
Die Dokumentation bietet einen unterhaltsamen und ungeschminkten Einblick hinter die Kulissen der Musikszene von Kinshasa, mit improvisierten Aufnahmen, die das Publikum bei Jam-Sessions und beim Streben nach Perfektion bei der Studioarbeit in den Bann ziehen. Der Film folgt einigen der Künstler*innen, erzählt von ihrem Leben im Kongo und der jahrelangen musikalischen Ausbildung, die die Grundlage für den Erfolg des Orchesters bildet und die verbindendende Kraft der Rumba-Musik erlebbar macht, die durch Kreativität und rohe Energie entsteht.
Mit „Rumba Rules, New Genealogies“ ist den Filmemachern Sammy Baloji, David N. Bernatchez und dem kurz vor den Dreharbeiten verstorbenen Kiripi Katembo Siku ein eindrücklicher, polyphoner filmischer Essay über die Rumba-Szene gelungen, der zugleich ein mitreißendes Porträt der Metropole Kinshasa geworden ist.

Sammy Baloji studierte Humanwissenschaft an der Universität von Lubumbashi und arbeitet als bildender Künstler, Filmemacher und Fotograf. Er ist Mitbegründer von Les Rencontres Picha, einem alle zwei Jahre stattfindenden Foto- und Videofestival in Lubumbashi. Seit 2005 beschäftigt er sich mit der Erinnerung und Geschichte der DR Kongo, seine Videos und Fotoserien zeigen, wie Identitäten geformt, transformiert, pervertiert und neu erfunden werden. Als Bildender Künstler war er u.a. Gast der Biennale von Lyon, Biennale von Venedig (2015), Biennale von Dakar (2016), documenta 14 (2017). Seine Werke wurden u.a. in der Tate Modern in London und im Smithsonian National Museum of African Art in Washington DC ausgestellt. Filmographie: Kasala: The Slaughterhouse of Dreams or the First Human, Bende’s Error (2020), Tales of the Copper Crosses Garden : Episode 1 (2018), The Tower (2017), Pungulume (2016), Bare-faced (2011), Mémoire (2007).

David Nadeau-Bernatchez ist ein Quebecer Künstler und Wissenschaftler. Als Anthropologe und Filmemacher befasst er sich seit 2004 mit der kongolesischen Musikszene. Ob sie sich auf Musik (Rumba Rules (2020)), Sport (Temps temps (2009)) oder im weiteren Sinne auf Geschichte und Erinnerung konzentrieren (z.B. Ludovica (2018), Joseph Samuel Jacques Julien (2015), Solo Kinshasa (2013)), Bernatchez‘ Filme hinterfragen soziale und narrative Strukturen. Seine Bilder, Performances und Vorträge wurden in verschiedenen Kontexten und Ländern präsentiert. Die Auseinandersetzung mit den Dynamiken von Verwurzelung und Entwurzelung stehen im Mittelpunkt seiner Arbeit.

Kiripi Katembo Siku, geboren in Goma, arbeitete nach seinem Kunststudium als Produzent, Fotograf und Maler und realisierte als solcher zahlreiche Ausstellungen in der DR Kongo. Seine Werke wurden international ausgestellt, darunter auf der Biennale von Venedig, der Berlinale und den Rencontres de Bamako. Zudem wirkte er an mehreren Filmen mit, u.a. an ATALAKU von Dieudo Hamadi. Er starb 2015 im Alter von nur 36 Jahren an Malaria.

 

CINE SLAM (LIVE) / DOUESLIK / YELCOUNI / OUSSOU / ZAMPALIGRE

MI 17 NOV
18.00 HUMBOLDT FORUM
TICKETS

Burkina Faso gehört zu den innovativsten Filmnationen des afrikanischen Kontinents. Filmschaffende wie Gaston Kaboré, Idrissa Ouedraogo oder Dani Kouyaté sind international für ihr cinematografi-sches Schaffen bekannt und prägen das aktuelle Kino aus Afrika bis heute. Seit 1969 findet in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou zudem mit dem FESPACO das größte und bedeutendste Filmfestival des Kontinents statt, das seit 2020 von Alex Moussa Sawadogo geleitet wird, zugleich künstlerischer Leiter von AFRIKAMERA.

Zur Eröffnung des Programms von AFRIKAMERA im Humboldt Forum interpretieren der burkinische Slammer, Dichter und Schauspieler Doueslik gemeinsam mit den Musikern Erick Yelcouni und Oussou Filmsequenzen aus 50 Jahren Filmgeschichte des burkinischen Kinos von den 1970er Jahren bis heute mit Live-Musik und Poetry und präsentieren damit die Vielfalt und die wichtigsten Akteur*innen der Filmkunst Burkina Fasos in einem neuen Gewand.

Im Anschluss an den Slam Talk mit Salam Zampaligré, Doueslik und dem Filmkurator Rabih El-Khoury.

Ali ‚Doueslik‘ OUEDRAOGO wurde 1984 in Abidjan, Côte d‘Ivoire geboren und ist Schriftsteller, Slammer und Schauspieler. Er begann seine künstlerische Laufbahn 2002 am Theater in Burkina Faso. Er arbeitete in Workshops mit Theaterregisseuren wie Aristide Tarnagda und Moïse Touré und beteiligte sich am Laboratoire ELAN des Festivals Récréâtrales, wo er im November 2016 „Les sans…“ schuf.

Erick YELKOUNI (geb. 1987 in Ouagadougou, Burkina Faso) lernte das Gitarrenspiel autodidaktisch, zu seinen bevorzugten Musikrichtungen gehören Jazz, Afropop, Blues und Mandingo. Er tourte mit renommierten Künstlern wie Alif Naaba, Fatoumata Diawara, Smarty und KPG und spielte auf vielen Festivals europa- und afrikaweit. 2020 gründete er das Aufnahmestudio „Perfect Sound Records“.

Kiswendsida Ousmane OUEDRAOGO alias ‚Oussou‘ ist professioneller Schlagzeuger, seit mehr als 20 Jahren im Musikgeschäft und Mitglied der Band „La dernière trompette“, mit der er in Burkina Faso und international in Europa und Afrika auftritt. Oussou kann auf mehrere wichtige künstlerische Kooperationen zurückblicken, darunter mit den Choreografen Salia Sanou, Irène Tassembedo und Serge Aimé Coulibaly sowie den Musikern Samsk le Jah, Smockey, Didier Awadi und Ismaël Isaac.

Salam ZAMPALIGRE arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Filmbereich und ist Mitglied des Kollektivs Génération Films. Er ist Absolvent des Institut Supérieur de l’Image et du Son (ISIS) in Ouagadougou und studierte zudem in Deutschland, Frankreich und in den Niederlanden. Salam hat bei mehreren erfolgreichen Kurzfilmen Regie geführt und arbeitet derzeit an dem Doku-mentarfilm „Le taxi, le cinéma et moi“.

 

WALABOK

DI 16 NOV
20.00 ARSENAL
TICKETS

von Fatou Kandé Senghor
Senegal 2021 I OmE I Digital File

im Anschluss Podiumsgespräch mit der Regisseurin, moderiert von Achan Malonda
in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung

 

AFRIKAMERA präsentiert am Festivaldienstag in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung ein Sonderprogramm zur HipHop-Kultur im Senegal, dessen Hauptstadt Dakar als die Rap-Metropole des Kontinents betrachtet werden kann. Fatou Kandé Senghor, Autorin des Buchs „Wala bok: An oral history of hip hop in Senegal“ hat unter gleichnamigem Titel eine 30-teilige Serie kreiert, die aktuell Premiere auf der senegalesischen Plattform WIDO feiert.

Die Heldin von WALABOK ist die 18-jährige Mossane, viertes Kind einer siebenköpfigen Familie, die in einem Vorstadtviertel Dakars lebt.
Mossane ist fest entschlossen, aus ihrer Leidenschaft für HipHop eine Karriere auf der Bühne zu machen. Mossanes Mutter, die mit unbändiger Kraft und Entschlossenheit alleine die Familie ernährt, ist Mossane dabei zugleich Vorbild als auch Sinnbild der gesellschaftlichen Enge, in denen sich Frauen in Senegal bewegen. Denn eine künstlerische Karriere hat im harten Alltag der Familie keinen Platz – und die männerdominierte Welt des HipHop bringt Rapperinnen wie Mossane vor allem Widerstand entgegen.

WALABOK bringt den Zuschauer*innen die Realität der in den Vorstädten Dakars lebenden Jugendlichen näher, einer Jugend, die in der Kultur des HipHop ihre Heimat findet, gegen soziale Ungerechtigkeiten rebelliert und von einem besseren Leben träumt – und rappt.

Im Anschluss an die Vorführung von zwei ausgewählten Episoden findet ein Gespräch mit der Regisseurin über die Situation der Jugend in Dakar, über HipHop, die politische Bedeutung von Fernsehserien und über die lauter werdenden Proteste der Frauen gegen Traditionen und Gewalt statt.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei.

Fatou Kandé Senghor, Director

Fatou Kandé Senghor ist eine preisgekrönte Autorin, bildende Künstlerin, Dokumentarfilmerin und Pädagogin, sie lebt in Dakar. Ihr jüngster Film „Donner Naissance“ („Giving Birth“), wurde für die 56. Biennale von Venedig ausgewählt.
Senghor hat zahlreiche Beiträge zu den Themen Gender, Kultur, Geschichte und afrikanisches Kino verfasst und ist Gründerin von Waru Studio, einem Raum für junge Künstler und Filmemacher, in dem die Schnittstellen von Kunst, Wissenschaft, Technologie und Politik in Afrika erforscht werden. Zu ihren wichtigsten Kooperationen zählen u.a. die Zusammenarbeit mit Ousmane Sembène bei „Faat Kiné“ (2000) und mit Wim Wenders bei „The Invisible“ (2007), einem Dokumentarfilm über sexuelle Gewalt gegen Frauen im Kongo.

 

MALONDA, Foto: Ben Jenak

Malonda (sie/ihr) ist eine in Berlin lebende Sängerin, Songwriterin und Elektrik Diva, die eigene Songs schreibt und auch auf Theaterbühnen brilliert. Neben der Musik brennt sie für antirassistische und queer-feministische Themen. Indem sie über Geschlechterrollen, Sex und Diversität singt und spricht, macht sich Malonda als politische Künstlerin einen Namen.

 

THE GRAVEDIGGER’S WIFE

The Gravediggers Wife

MO 15 NOV
ERÖFFNUNG
19.30 ARSENAL
TICKETS

von Khadar Ayderus Ahmed
Finnland, Deutschland, Frankreich I 2021 I 82 min I OmE
In Anwesenheit des deutschen Produzenten Martin Hampel – Q+A

Wiederholung MI 17 NOV
20.00 ARSENAL
TICKETS

Guled und Nasra leben gemeinsam mit ihrem Teenagersohn Mahad in einem Außenbezirk von Dschibuti-Stadt. Guled hält seine Familie mit einem Job als Totengräber über Wasser. Als Nasra aufgrund einer chronischen Nierenerkrankung eine teure Operation benötigt, steht die Familie vor der Herausforderung, das notwendige Geld aufzutreiben, ohne den Zusammenhalt zu verlieren.

Das ausschließlich mit Laiendarstellern realisierte Langfilmdebüt feierte seine Premiere bei der diesjährigen Critic´s Week in Cannes. Beim FESPACO 2021 wurde Khadar Ayderus Ahmed soeben mit dem „Etalon d’Or“ ausgezeichnet.

Khadar Ahmed
Khadar Ahmed – BUFO – photo by Lasse Lecklin

Der finnisch-somalische Autor und Regisseur Khadar Ayderus Ahmed wurde vor 40 Jahren in Mogadischu geboren. Er hat mehrere erfolgreiche Kurzfilme gedreht, darunter „The Night Thief“ (2017). Zudem hat er sich als Drehbuchautor einen Namen gemacht, u.a. mit „Unexpected Journey“ (gemeinsam mit Samuli Valkama, 2017) und dem in Locarno und Angers ausgezeichneten Kurzfilm „Citizens“ (Regie: Juho Kuosmanen, 2008). THE GRAVEDIGGER’S WIFE ist sein erster Spielfilm.