AFRIKAMERA 2017 | 13. - 19. November

AFRIKAMERA PRÄSENTIERT: TALKING ABOUT SAHEL

Seit mittlerweile 10 Jahren stellt AFRIKAMERA die Vielfalt afrikanischer Filmlandschaften vor. In unserer Jubliäumsausgabe wenden wir uns der Kinokultur des Sahel zu, einer Region, die in den letzten Jahren durch eine gefährliche Verschränkung von fundamentalistischer Religion, Terrorismus und Politik geprägt wird. Vor diesem soziopolitischen Hintergrund präsentieren wir aktuelle Spiel- und Dokumentarfilme, die sich mit den politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen des Sahel auseinandersetzen – und dabei spannende Geschichten aus dem Alltag der Menschen zu erzählen wissen.

Wie in WÙLU. Der Gangsterfilm von Daouda Coulibaly (13.11. I Wdh. 17.11.) wird von Kritikern mit Brian de Palmas SCAREFACE verglichen. Hauptdarsteller Ibrahim Koma wird zum Screening anwesend sein. Zuvor wird der senegalesische Rapper Xuman mit einer Live-Performance des TV-Formats JOURNAL RAPPÉ das Festival eröffnen.

Mit dem Programm OUAGADOUGOU SHORTS (14.11.) stellt AFRIKAMERA eine Auswahl aktueller Kurzfilme aus der burkinischen (Kino-)Hauptstadt vor, darunter PLACENTA von Bède Modeste Gnafe-Mofedog.

CEDDO (14.11.) von Ousmane Sembène wiederum ist ein Klassiker des Sahel-Kinos der 1970er-Jahre, der nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Der Spielfilm reflektiert die Christianisierung und Islamisierung Westafrikas im 17. Jahrhundert und ihre Spätfolgen bis hinein ins 20. Jahrhundert.

In Rahmen einer Sonderveranstaltung in der Heinrich-Böll-Stiftung (15.11.) in Berlin-Mitte stellt AFRIKAMERA das bewegende Liebesdrama L’ALLIANCE D’OR der nigrischen Regisseurin Rahmatou Keïta vor. Keïta wird nicht nur für ein Filmgespräch vor Ort sein, sondern zuvor mit der Soziologin und Regisseurin Aicha Macky über weibliche Identität, Filmemachen und Strategien der Selbstbehauptung in patriarchalischen Strukturen des Sahel diskutieren.  Die aktuelle Arbeit von Macky, L’ABRE SANS FRUIT, wird am Festivalfreitag (17.11.) im Kino Arsenal zu sehen sein.

Der Überfall islamistischer Rebellengruppen auf die malische Kulturmetropole Timbuktu vor fünf Jahren sorgte weltweit für Aufsehen. Gleich zwei Filme setzen sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit den Geschehnissen auseinander: DEVOIR DE MÉMOIRE von Mamadou Cissé (15.11.) sowie SUR LA PISTE DES MANUSCRITS DE TOMBOUCTOU von Jean Crépu (16.11.).

Mit dem malischen Alltag jenseits von Krieg und Terror beschäftigt sich Andrey Samoute Diarra in HAMOU BEYA (16.11.). Der Film dokumentiert den mühsamen Alltag der Bozo, die ihre Dörfer verlassen, um sich in der Hauptstadt Bamako als „Sandfischer“ zu verdingen.

Das Programm SAHEL SHORTS (16.11.) präsentiert eine Auswahl aktueller Kurzfilme aus der Region, darunter LE MARABOUT über eine Gruppe von Straßenkindern in Dakar. Der Regisseur Alassane Sy steht im Anschluss für ein Filmgespräch zur Verfügung.

Seltene Einblicke in das Libyen der Post-Gaddafi-Ära bietet das Programm LIBYA IN MOTION (17.11.) mit einer Auswahl von Kurzfilmen aus den Jahren 2012–15. Mit Naziha Arebi und Muhannad Lamin sind zwei der am Projekt beteiligten Regisseure zur Filmvorführung zu Gast.

WALLAY (18.11.) von Bernie Goldblat feierte bereits auf der diesjährigen Berlinale große Erfolge. Sein Spielfilm erzählt vom alltäglichen Leben in Burkina Faso aus dem Blickwinkel eines 13-Jährigen. Neben dem Regisseur steht auch sein Hauptdarsteller für ein Filmgespräch zur Verfügung. Seit Anbeginn arbeitet AFRIKAMERA mit internationalen Festivals des afrikanischen Kontinents zusammen.

Im Zuge seines 10-jährigen Jubiläums präsentiert das Festival als Sonderprogramm eine BEST-OF-Auswahl an Kurzfilmen von der diesjährigen Ausgabe des FESPACO sowie des JCC Karthargo (18.11.).

Licínio Azevedos Neo-Western COMBOIO DE SAL E AÇUCAR (18.11.) wurde zuletzt beim Filmfestival in Locarno bei Publikum und Kritikern gleichermaßen gefeiert. Im Mosambik der 1980er-Jahre macht sich ein militärisch bewachter Transportzug auf eine mehrtägige Reise nach Malawi, beladen mit Menschen und Gütern, mit ungewissem Verlauf und Ausgang.

Mit TANT QU’ON VIT (19.11.) präsentiert das Festival die aktuelle Arbeit des burkinischen Regisseurs Dani Kouyaté als Deutschlandpremiere. Kandia, die seit 30 Jahren in Schweden lebt, beschließt nach Gambia zurückzukehren. Ihr Sohn Ibbe träumt von einer Hip-Hop-Karriere und steht kurz vor dem Durchbruch. Doch die Begegnung mit ihrem Herkunftsland läuft nicht so ab, wie sie es sich vorstellten. Der Regisseur wird zur Premiere anwesend sein.

THE REVOLUTION WON‘T BE TELEVISED (19.11.) von Rama Thiaw liefert eine über mehrere Jahre entstandene „Innensicht“ der senegalesischen Protestbewegung „Y’en a marre“ an der Schnittstelle zwischen Hip-Hop-Kultur und Politik.

Das Festival schließt mit dem Spielfilm I AM NOT A WITCH (19.11.) von Rungano Nyoni über ein Mädchen, dass der Hexerei bezichtigt und in ein Camp in die sambische Wüste verbannt wird.